Share on facebook
Share on google
Share on twitter
Share on linkedin

Was hat die Erwartungshaltung mit der Erziehung zum gesellschaftsfähigen Hund zu tun? – Mehr als den meisten Menschen bewusst ist. Welche Erwartungshaltung hat der „Durchschnittsbürger“ – man könnte auch „die Gesellschaft“ sagen – gegenüber Hunden und deren Haltern?

Abgesehen davon die Häufchen zu beseitigen, hauptsächlich, dass Hunde nicht stören oder womöglich ängstigen. Der Nachbar möchte nicht durch ständiges Bellen gestört werden. Der Jogger, Reiter oder Radfahrer nicht gejagt, der Passant weder skeptisch angebellt, noch freudig angesprungen werden. Und gerade Kinder wollen unbefangen spielen können.

Und auch wenn es noch nicht bei allen Hundebesitzern angekommen ist, auch Hundebesitzer wollen nicht, dass ihrem Hund von jedem X-beliebigen fremden Hund „Guten Tag“ gesagt wird. Genauso nervenaufreibend sind Hundebegegnungen, bei denen mindestens ein Hund pöbelnd an der Leine weitergezogen wird, immer in der Hoffnung, dass der Karabiner hält.

Um diese zu vermeiden bedarf es zwei Grundregeln für Hundehalter, die eigentlich selbstverständlich sein sollten:

  1. Sobald dem Halter jemand auf dem Spaziergang begegnet, wird der Hund rechtzeitig an die Leine genommen. Denn egal, ob ein „Der tut nichts“ eventuell plötzlich zu einem „Das hat er ja noch nie gemacht“ wird, unser Gegenüber weiß das nicht und hat eventuell sogar Angst. Wer seinem Hund Freilauf gewährt, muss ihn jederzeit abrufen können, egal wie groß die Ablenkung auch sein mag.
  2. Das „An der Leine gehen“ sollte der Hund mit der richtigen Erwartungshaltung verknüpft haben: keine Erwartung zu haben außer, dass der Besitzer alles für ihn regelt.

Wie lernt ein Hund, dass er nichts von Anderen zu erwarten hat, sobald er an der Leine ist?

Sobald Ihr Hund bei Ihnen eingezogen ist, stellen Sie diese Regel auf. An der Leine gibt es keinen Kontakt zu Hunden oder Menschen, abgesehen von den Besitzern. Dadurch wird alles um ihn herum nicht wichtig, sobald er an der Leine ist. Übernehmen Sie einen älteren Hund, dauert es länger bis sich diese Regel festigt. Bei Welpen, die es nie anders kennengelernt haben, geht es deutlich schneller. Auf diese Art und Weise machen Sie es Ihrem Hund leicht zu wissen, wann er nichts zu erwarten hat. Sobald er die Regel verinnerlicht hat, meistert er selbst große Menschenmengen ohne Stress. Die Leine wird zur sicheren Zone, in der der Hund alle Verantwortung an den Besitzer abgibt, der damit das Grundbedürfnis des Hundes in Bezug auf Sicherheit erfüllt und dadurch zur verlässlichen Bezugsperson wird. Im besten Fall schafft der Hund es sogar, die an der Leine gefestigte Erwartungshaltung auf jeden Spaziergang – also auch im Freilauf – zu generalisieren, meist bis auf die Begegnung mit Artgenossen.

Doch was macht es so schwierig, dies konsequent durchzusetzen?

Die Erwartungshaltung des Durchschnittsbürgers macht es schwierig. Denn all das, was dieser von ausgewachsenen Hunden – insbesondere der großen Hunderassen – erwartet, zählt nicht für süße Welpen und niedliche Kleinhunderassen. Wildfremde Menschen laufen quietschend auf Welpen zu und sind entsetzt, wenn der Besitzer ihnen das Anfassen oder Füttern verbietet. Andere Hundebesitzer nehmen beim Anblick eines harmlosen Welpen ihren eigenen Hund nicht an die Leine und schauen ungläubig, wenn der Welpenbesitzer den fremden Hund abblockt, um eine Annäherung zu verhindern. Dabei ist es für den Besitzer des größeren Hundes in Ordnung, seinen Hund weiter frei laufen zu lassen, bis sein eigener Hund auf einen noch größeren Hund trifft.

Der Welpenbesitzer wird zum bösen Hundebesitzer degradiert, der seinem Welpen keine Spaß gönnt, obwohl der Besitzer ihn durch das Einhalten dieser einfachen Regel auf ein entspanntes Hundeleben mit größtmöglicher Freiheit vorbereiten und ihn dadurch zu einem Hund erziehen möchte, wie er gesellschaftsfähiger nicht sein kann.

Es geht – wie so oft – um gegenseitige Rücksichtnahme und Verständnis für die manchmal unbekannten Beweggründe des Anderen, wozu dieser Artikel hoffentlich ein Stückchen beiträgt.

Karin Witthohn
Natürlich Hund – Der Hundesalon
Hauptstraße 75
25492 Heist
Tel.: 0176 86960644
www.natuerlich-der-hundesalon.de