Das richtige Futter für Ziervögel

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Ein paar Körnchen in den Napf geben, vielleicht noch ein Stück Kolbenhirse am Käfiggitter befestigen – schon ist die Fütterung der Heimvögel erledigt. Über viele Jahrzehnte war dies üblich, doch zum Glück sind diese Zeiten vorbei und den Bedürfnissen der Vögel wird mehr Beachtung geschenkt.

Schon als die ersten Individuen der bei uns heutzutage populären Heimvogelarten nach Europa geholt wurden, mussten die Tiere ernährt werden. Weil viele Arten wie beispielsweise Zebrafinken, Wellensittiche oder Nymphensittiche in ihrer Heimat von halbreifen oder reifen Wildsamen leben, reichte man den Vögeln in Menschenobhut Körnermischungen. Von Tauben, die schon lange gezüchtet wurden, wusste man, dass Vögel damit gut “über die Runden kommen”.

Tatsächlich gelang es mit den Saatenmischungen, die meisten Vögel am Leben zu erhalten und es setzte sich durch, diese Futtermittel als Grundnahrungsmittel anzusehen. Später kamen dann Mischungen auf den Markt, denen Zusätze wie Jod hinzugefügt wurden. Außerdem kamen in den letzten 30 bis 40 Jahren erste Leckerbissen wie Knabberstangen in den Handel, die sowohl von den Vogelhaltern als auch von ihren gefiederten Pfleglingen gern genommen wurden.

Die Erforschung der Bedürfnisse der Vögel ging in all der Zeit weiter und heute ist bekannt, dass die Tiere mit einer solchen Futterauswahl zwar überleben können – und das teils erstaunlich lang. Aber wirklich gesund ist diese Ernährung nicht grundsätzlich, denn sie lässt ein wichtige Details außer Acht: Körnermischungen können auf die Dauer zu einseitig sein und noch dazu sind sie nicht für jede Lebensphase der Vögel das ideale Futter.

Was ist drin in der Mischung?

Je nachdem, für welche Vogelart eine Saatenmischung zusammengestellt wurde, enthält sie jeweils unterschiedliche Bestandteile. In Futtermischungen für große Vogelarten finden sich beispielsweise Sonnenblumenkerne und andere große Samen. Dagegen enthalten Mischungen für kleine Vogelarten eher kleinere Samen. Typischerweise bilden verschiedene Hirsesorten die Basis einer Wellensittich-Futtermischung. Es gibt weiße, gelbe, orangefarbene oder rote Hirse, mitunter sogar dunkelbraune. Neben den runden und unterschiedlich gefärbten Hirsekörnern finden sich meist auch einige längliche, spitz zulaufende Körnchen in der Mischung. Hierbei handelt es sich um Kanariensaat oder Glanz. Außerdem kann Hafer enthalten sein.

Diese Aufzählung zeigt: Viele Saatenmischungen bestehen aus nur wenigen Bestandteilen und können somit nicht allzu viel Abwechslung hinsichtlich der in den Körnern enthaltenen Nährstoffen bieten. Es empfiehlt sich deshalb, im Handel nach Futtermischungen mit mehr Bestandteilen zu suchen, zum Beispiel mit Wildsamenanteil. Wichtig ist jedoch, keine zu fetthaltige Futtermischung zu kaufen, weil viele Vogelarten zur Entstehung von Übergewicht neigen.
Gefördert wird dies dadurch, dass häufig zu viel Futter angeboten wird und die Tiere entsprechend viel fressen. Es ist sinnvoll, sich genau beraten zu lassen, wie viel Nahrung die jeweils gehaltene Vogelart tatsächlich pro Tag benötigt und sich an diese Menge zu halten. Viel Bewegung ist zudem unerlässlich, mindestens vier Stunden Freiflug pro Tag sollten es sein.

Täglich frische Kost

Um den Körper der Vögel mit Vitaminen, Mineralstoffen und anderen wichtigen Substanzen zu versorgen, sollte ihnen täglich auch frisches Futter gereicht werden. Gemüse wie Karotten, Salatgurke oder Salat werden von vielen Vogelarten sehr gern genommen. Auch Küchenkräuter wie zum Beispiel Basilikum oder Kresse sind bei vielen Tieren sehr beliebt.

Manche Papageienarten benötigen zudem Obst, weil ihre wilden Verwandten in ihrer natürlichen Heimat Früchte fressen. Äpfel, Birnen, Bananen und viele weitere Früchte schmecken den Vögeln sehr gut. Allerdings ist zu bedenken, dass Obst Zucker enthält, der bei zu reichlichem Genuss Übergewicht fördern kann. Außerdem gibt es einige Erkrankungen bei Heimvögeln, die sich verschlimmern, wenn die Tiere zuckerhaltige Nahrung fressen. Am besten ist es, sich hierzu von einem erfahrenen Vogel-Tierarzt beraten zu lassen.

Futterpflanzen aus der heimischen Natur, darunter Vogelmiere und halbreife Wildgräser, sind ebenfalls wichtige Bestandteile einer ausgewogenen Ernährung der Heimvögel.

Leckerbissen

Neben Körnermischungen werden im Handel verschiedene Leckerbissen für Heimvögel angeboten, darunter Knabberstangen, bei denen die Körner mit einer Teigmasse und Zusätzen wie Kräutern oder getrocknetem Obst zu festen Stangen verbacken wurden. Die Vögel müssen sich ihre Körnchen “erarbeiten”, was ihnen viel Vergnügen bereitet. Auch das Ausklauben von Hirsekolben ist bei ihnen beliebt.

Verschiedene weitere Futtermittel wie getrocknete Haferrispen oder Silberhirserispen werden ebenfalls angeboten. Darüber hinaus gibt es im gut sortierten Handel Einzelsaaten wie zum Beispiel Knaulgrassamen. Dabei handelt es sich um Wildgrassamen, die bei vielen kleinen Vogelarten sehr beliebt sind und recht fettarm sind.
Den Vögeln Leckerbissen zu reichen, ist in vielen Fällen sinnvoll, weil es den Tieren Vergnügen bereitet. Jedoch ist darauf zu achten, dass sie durch die “Leckerchen” nicht zu dick werden.

Aufzuchtfutter und Handaufzuchtfutter

Wer seine Vögel brüten lassen möchte, dem wird häufig empfohlen, Aufzuchtfutter anzubieten. Dieses auf Ei basierende Futter kann entweder trocken oder feucht angeboten werden. Weil es sehr eiweißreich ist, wird es von brütenden Vögeln meist gern genommen. Zusätzlich sollten die Tiere aber auch andere Futtermittel, darunter frisches Gemüse und Kräuter, erhalten.

Wenn der Nachwuchs geschlüpft ist, kann es leider vorkommen, dass sich eine Notsituation ergibt und die Jungen durch den Menschen ernährt oder zugefüttert werden müssen. Bei einer solchen Notfallfütterung wird dann leider häufig Aufzuchtfutter eingesetzt, das aber für die Jungen so nicht bekömmlich ist. Sie benötigen Handaufzuchtfutter, also einen Futterbrei, der aus Pulver angerührt wird. Im gut sortierten Handel werden derlei Breifuttermischungen angeboten und es ist sinnvoll, es zur Hand zu haben, wenn die Vögel brüten. Denn Notfälle ergeben sich immer spontan und man hat meist keine Zeit, das richtige Futter erst noch zu kaufen.

Pellets und Extrudate

Neben Körnermischungen gibt es im Handel Pellets und Extrudate für Ziervögel. Hierbei handelt es sich um spezielle Futtermittel, die auf unterschiedliche Weise gefertigt werden und jeweils aus mehreren Einzelbestandteilen bestehen, die zu Mehl vermahlen und zusammengepresst wurden. Diese Futtermittel sind in vielen Fällen mit Vitaminen angereichert und gelten als besonders nährstoffreich.
Sowohl Pellets als auch Extrudate haben den Vorteil, dass kein Müll anfällt – die Vögel müssen keine Körner entspelzen. Außerdem können die Tiere nicht ihre Lieblingskörner aus dem Napf heraussuchen und sich so zu einseitig ernähren. Aus diesem Grunde empfehlen viele Vogel-Tierärzte, die Tiere mit diesen Futtermitteln zu ernähren. Insbesondere bei Vögeln mit Grunderkrankungen wie beispielsweise Leberstörungen können solche Spezial-Futtermittel einen wichtigen Beitrag zur Genesung oder Verhinderung eines Fortschreitens der Erkrankung leisten.