Der Pfeilgiftfrosch: Heimtier des Jahres 2026

Pfeilgiftfrosch mit leuchtend gelben und schwarzen Farben
Pfeilgiftfrösche faszinieren mit knalligen Farben und interessantem Brutverhalten. Copyright: Adobe/FotoCorn

Das Heimtier des Jahres 2026 verdankt seinen Namen den indigenen Chocó-Völkern in Kolumbien. Sie tränkten ihre Jagdpfeile mit dem Gift, das die Amphibie über ihre Haut absondert. Aber keine Sorge, mit dem Pfeilgiftfrosch, der auch Baumsteigerfrosch heißt, zieht kein gefährlicher Bewohner in dein Terrarium ein: Pfeilgiftfrösche aus Nachzuchten sind nicht giftig. Die Haltung im Terrarium stellt aber einige besondere Ansprüche. Wir erklären dir, was du beachten solltest – von der Einrichtung des Terrariums mit tropischem Klima bis zum Lebendfutter.

Bunter Botschafter aus den Tropen

Sie leuchten azurblau oder smaragdgrün, sie haben Punkte oder Flecken oder sind gestreift wie eine Hummel. Hauptsache auffällig. Bei Pfeilgiftfröschen ist alles möglich und genau das macht ihre Faszination aus.

Ihr wissenschaftlicher Name Dendrobatidae heißt übersetzt „Die auf die Bäume steigen“, deshalb lautet die korrekte Bezeichnung der Pfeilgiftfrösche eigentlich Baumsteigerfrösche. In der Natur dienen ihre knalligen Farben als Warnsignal.

Der Schreckliche Pfeilgiftfrosch (Phyllobates terribilis) in gelber Färbung
Der Schreckliche Pfeilgiftfrosch macht seinem Namen alle Ehre. Copyright: Adobe/ ondrejprosicky

Nur drei der über 170 Arten sind für uns Menschen lebensgefährlich, die giftigste Art nennt sich Phyllobates terribilis – der Schreckliche Pfeilgiftfrosch.

Warum Nachzuchten nicht giftig sind
Pfeilgiftfrösche synthetisieren keine Gifte, sondern nehmen giftige Substanzen mit der Nahrung auf. Der Frosch verspeist giftige Insekten wie Ameisen und Käfer und scheidet das Gift durch die Haut wieder aus. So hält er sich nicht nur gierige Vögel, Schlangen oder andere Feinde vom Leib, sondern wehrt sich auch gegen lästige Pilze und Bakterien auf seiner Haut. Wenn die Dendrobatiden also keine giftigen Insekten zum Fressen bekommen, verlieren sie ihre Giftigkeit. Ein Wildfang wird nach etwa zwei Jahren ungiftig, die gezüchteten Pfeilgiftfrösche sind harmlos.

Wie werden die Frösche gehalten?

Die Familie der Pfeilgiftfrösche stammt aus den feucht-warmen Regenwäldern Mittel- und Südamerikas. Die ein bis sechs Zentimeter kleinen Arten bewohnen verschiedene Vegetationszonen. Zu den häufig gehaltenen Arten gehören:

  • Färberfrosch (Dendrobates tinctorius)
  • Gestreifter Blattsteiger (Phyllobates vittatus)
  • Goldbaumsteiger (Dendrobates auratus)
  • Bauchflecken-Baumsteiger (Ranitomeya ventrimaculata)
  • Gelbgebänderter Baumsteiger (Dendrobates leucomelas)

Schon gewusst? Der Name „Färberfrosch“ beruht auf einer Legende: Der französische Naturforscher Graf Bernard-Germain-Étienne schrieb 1788 in einem Bericht, die Ureinwohner von Guyana rissen jungen grünen Papageien die Federn aus und bestrichen ihre Haut mit dem Sekret der Frösche. Die nachwachsenden Federn hätten dann angeblich eine gelbe oder rote Färbung – eine Bestätigung dafür gibt es allerdings bis heute nicht.

Blauer Färberfrosch (Dendrobates tinctorius azureus) auf einem Ast
Der Färberfrosch ist ein beliebter Terrarien-Bewohner. Copyright: Adobe/azureus70

Haltung im Terrarium

Die aus tropischen bis subtropischen Lebensräumen stammenden Pfeilgiftfrösche stellen besondere Ansprüche an ihre Umgebung. Wenn du ihnen ein Terrarium einrichten möchtest, solltest du dich vorher ganz genau informieren. Jede Art hat ihre eigenen Bedürfnisse.

Die Amphibien benötigen ein feuchtwarmes Klima, eine relative Luftfeuchte zwischen 60 bis 90 Prozent und Temperaturen von 22 bis 28 Grad am Tag und etwas kühlere Temperaturen um 20 Grad in der Nacht.

Pfeilgiftfrösche können als Pärchen gehalten werden, wenn die Tiere außerhalb der Brutzeit ausreichend Platz und Möglichkeiten haben, sich aus dem Weg zu gehen. Bei der Haltung in kleinen Gruppen von drei bis fünf Tieren ist weniger die Größe der Amphibien entscheidend als ihr territoriales Verhalten bzw. die zur Verfügung stehende Grundfläche des Terrariums.

Artenschutz
Um Pfeilgiftfrösche legal zu halten, benötigst du einen Herkunftsnachweis bzw. eine Zuchtbescheinigung. Pfeilgiftfrösche sind mit Ausnahme des Blauen Baumsteigers und des Goldbaumsteigers außerdem bei der Artenschutzbehörde anzeigepflichtig. Auch jede Änderung im Bestand (Abgaben, Nachzuchten, Todesfälle) muss gemeldet werden. Eine Liste mit den zuständigen Behörden für dein Bundesland findest du hier:

Einrichtung des Terrariums

Das Terrarium sollte den territorialen Einzelgängern ausreichend Platz bieten – in der Breite und auch in der Höhe. Außerdem brauchen sie vielseitige Elemente zum Klettern und Rückzugsorte. Für Arten, die vorwiegend auf Bäumen leben (sogenannte „arboreale“ Arten), ist eine höhere Unterkunft besser geeignet.

Zur naturnahen Einrichtung gehören Elemente zum Klettern wie Äste, Wurzeln und Rindenstücke, die aber nicht faulen dürfen und ggf. ausgetauscht werden. Hier bieten sich Wurzeln aus Savannenholz oder Morkienwurzeln an, die auch in Aquarien eingesetzt werden. Als Verstecke und für die Laichablage benötigen die Frösche kleine Höhlen, zum Beispiel aus Stein, auch halbierte Kokosnüsse können zum Einsatz kommen. Als Bodengrund eignet sich Kokossubstrat, vermischt mit Rindenstücken und mit Laub und Moos bedeckt. Hier gilt: Staunässe vermeiden!

Eine Wasserstelle oder einen kleinen Bachlauf mit sauberem Wasser nutzen die Frösche, um ihren Wasserhaushalt zu regulieren oder das Gelege feucht zu halten.

Naturnah eingerichtetes Terrarium für Pfeilgiftfrösche mit Pflanzen
Beispiel für ein naturnah eingerichtetes Terrarium. Copyright: Stefan Hetz

Bepflanzung

Für das Terrarium sollten Pflanzen gewählt werden, die auch auf erdfreiem Substrat gut wachsen. Das sind zum Beispiel Ficus pumila oder Peperomia. Pflanzen wie Bromelien, die in ihren Blattachseln sogenannte Phytotelmen bilden, das sind kleine mit Wasser gefüllte Hohlräume oder Mikrogewässer, spielen eine besondere Rolle als Badeplätze und bei der Brutpflege.

Technik

Zur Einrichtung deines Terrariums gehört die richtige Technik dazu. Luftfeuchte und Temperaturen sollten ständig durch Thermo- und Hygrometer kontrolliert werden. Um die Luftfeuchte zu erhöhen, kommen technische Hilfsmittel wie Verdunster zum Einsatz: Sprühdüsen vernebeln Wasser mit Hochdruck sehr fein; hierbei ist ein Ablauf für überschüssiges Wasser einzuplanen.

Eine regelmäßige Luftzirkulation verhindert stehende Luft, Staunässe und Schimmelbildung; sie kann etwa durch natürliche Konvektion mittels Gittern für Zu- und Ablauf gewährleistet werden.

Kleiner roter Pfeilgiftfrosch (Ranitomeya fantastica) auf einem Blatt
Die kleinen Amphibien sind sehr bewegungsfreudig. Copyright: Adobe/kikkerdirk

Ernährung

Baumsteiger ernähren sich, wie alle Frösche, ausschließlich von lebenden Tieren. Das heißt, du musst lebende Futtertiere kaufen oder selbst züchten.

Viele Arten ernähren sich von wirbellosen Tieren wie Springschwänzen, Asseln, kleinen Spinnentieren und Insekten (Fruchtfliegen, Bohnenkäfer, Erbsenblattläuse). Größere Arten können auch mit kleinen Heimchen oder Grillen gefüttert werden.

Es empfiehlt sich, die Futtertiere mit Nährstoffen anzufüttern (das wird als „Gutloading“ bezeichnet). Möglich ist auch, die Futtertiere mit Mineralstoff- und Vitaminpräparat zu bestäuben („Supplementation“). Die Futtertiere sollten zügig aufgefressen werden, die Frösche daher nicht zu oft und mit zu großen Mengen gefüttert werden. Frost- oder Trockenfutter ist nicht geeignet!

Tipp: Eine feine Metallgaze über den Belüftungsschlitzen des Terrariums verhindert das Entweichen von Futtertieren.

Fortpflanzung

Das Männchen lockt mit Rufen ein Weibchen an, das Eier an geschützten Stellen wie Blattachseln oder, bei größeren Arten, in Höhlen ablegt. Die Gelege umfassen je nach Art zwei bis 35 Eier und werden dann vom Männchen befruchtet.

Die meisten Arten betreiben eine intensive Brutpflege. Die Gelege werden häufig vom Männchen bewacht und bis zum Schlupf feucht gehalten: Dafür nimmt das Männchen über seine Kloake aktiv Wasser in die Harnblase auf und entleert dieses Wasser auf die Eier. Nach zehn bis 16 Tagen schlüpfen die Kaulquappen.

Pfeilgiftfrosch trägt Kaulquappe auf dem Rücken zur Wasserstelle
Dieser Frosch trägt seinen Nachwuchs auf dem Rücken. Copyright: Smarterpix/crbellette

Huckepack ins Kinderzimmer
Die Männchen einiger Arten tragen ihre Jungtiere auf dem Rücken „im Huckepack“ zu natürlichen Wasserstellen wie Blattachseln von Bromelien, damit die Kaulquappen nicht Fressfeinden in Flüssen und Teichen ausgeliefert sind.

Beim Erdbeerfröschchen (Oophaga pumilio) übernimmt das Weibchen den Transport und füttert die Kaulquappen bis zu ihrer Metamorphose mit unbefruchteten Nähreiern.

Mehr Infos und Fun Facts zum Pfeilgiftfrosch findest du im Steckbrief.

Warum ein „Heimtier des Jahres“?

Der ZZF setzt sich als Verband der deutschen Heimtierbranche für eine verantwortungsvolle und tiergerechte Heimtierhaltung ein. Mit der Wahl zum Heimtier des Jahres möchte der ZZF auf unterschätzte Heimtiere aufmerksam machen, ein Bewusstsein für Tierschutzaspekte schaffen oder aufzeigen, dass Nachzucht und Haltung einer bedrohten Tierart zum Artenschutz beitragen. Unter den nominierten Tieren stimmt eine Jury aus Biologen, Tierärzten, Zoofachhändlern, Tier- und Branchenexperten sowie Züchtern über die Vorschläge ab.

Autor: Stefanie Klinge-Engelhardt, ZZF

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24. Februar 2026

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