Aktive Nager mit Spaß am Entdecken: Zwerghamster

Weisser Zwerghamster frisst ein Salatblatt unter einer Holzebene im Gehege

Mit ihren Knopfaugen, den winzigen Pfoten und den prall gefüllten Backentaschen erobern Zwerghamster schnell die Herzen vieler Tierfreunde. Die kleinen Nager sehen aus wie Kuscheltiere, aber wer sich für einen Zwerghamster entscheidet, holt sich kein Kuscheltier ins Haus. Anders als Hund und Katze sind die Kleinsäuger aus der Familie der Wühler alles andere als verschmust, sondern anspruchsvolle Einzelgänger, die ein geräumiges, mit viel Abwechslung eingerichtetes Gehege benötigen. Die aktiven flinken Fellnasen bei ihren Erkundungen zu beobachten, ist allerdings immer wieder faszinierend.

Kleiner Einzelgänger und Tunnelbauer

Die meisten als Heimtiere gehaltenen Arten stammen ursprünglich aus den Steppen und Halbwüsten Zentralasiens. Dort verbringen die Zwerghamster ihre Nächte mit Futtersuche, legen weit verzweigte Höhlensysteme an und sammeln Vorräte für schlechte Zeiten. Auch im heimischen Gehege wird schnell deutlich: Zwerghamster sitzen nur selten still und haben immer etwas zu tun. Sie graben Tunnel, schleppen Nistmaterial durchs Gehege und drehen Runden im Laufrad.

Besonders beliebt sind die Kurzschwanz-Zwerghamster

  • Dsungarischer Zwerghamster
  • Campbell-Zwerghamster
  • Roborowski-Zwerghamster

und der Langschwanz-Zwerghamster

  • Chinesischer Streifenhamster

Je nach Art werden die Tiere zwischen fünf und zwölf Zentimeter groß und erreichen ein Gewicht von rund 20 bis 45 Gramm. Ihre Lebenserwartung liegt meist zwischen einem und drei Jahren.

Der Roborowski-Zwerghamster ist die kleinste der drei verbreiteten Kurzschwanz-Arten und gilt als besonders bewegungsfreudig.

Zwerghamster oder Goldhamster?

Aktuell leben in Deutschland laut Zahlen des ZZF – Zentralverband der Heimtierbranche rund 400.000 Hamster. Damit machen die Nager etwa 16 Prozent aller gehaltenen Kleinsäuger aus und gehören nach Kaninchen und Meerschweinchen seit vielen Jahren zu den beliebtesten Kleintieren in Deutschland. Ob die tierischen Mitbewohner nun Zwerghamster oder Goldhamster sind, gibt die Studie nicht an. Aber wo ist eigentlich der Unterschied?

Zwerghamster sind nicht einfach nur kleinere Goldhamster. Zwar werden Goldhamster mit etwa 15 bis 18 Zentimetern Länge deutlich größer, aber das ist nicht der einzige Unterschied. Während der Goldhamster ursprünglich aus der Wüstenregion um die Stadt Aleppo in Syrien stammt, sind die meisten Arten der Zwerghamster in den Steppen Zentralasiens heimisch.

Gemeinsam haben sie ihre Vorliebe fürs Gängebuddeln und ihre ausgeprägte Leidenschaft, Futter in ihren Backentaschen zu „hamstern“.

Aktiv, wenn andere schlafen

Gold- und Zwerghamster sind in menschlicher Obhut meistens in der Dämmerung und nachts aktiv. Wer einen Hamster hält, muss seinen natürlichen Biorhythmus akzeptieren: Das eigentliche Hamsterleben beginnt erst in der Dämmerung.

Dann verlässt der kleine Nager sein Nest, begibt sich auf Futtersuche und kontrolliert sein Revier. Für viele Halterinnen und Halter gehört genau diese Beobachtung zu den schönsten Momenten des Zusammenlebens. Wird ein Zwerghamster ständig am Tag gestört, verursacht das unnötigen Stress. Als Heimtiere eignen sich Zwerghamster deshalb nicht für kleine Kinder, sondern eher für Menschen, die tagsüber unterwegs sind.

Zwerghamster leben lieber allein

Goldhamster sind strikte Einzelgänger, auch Zwerghamster fühlen sich allein am wohlsten. Manche Arten leben zwar in der Natur während der Aufzucht im Familienverband, aber nicht auf Dauer. Die Jungtiere werden in der Regel nur so lange geduldet, bis sie auf eigenen Pfoten stehen, dann müssen sie den Bau verlassen. Wer Zwerghamster als Heimtiere hält, sollte bedenken: Auch wenn junge Tiere im Gehege zunächst friedlich erscheinen, können spätere Streitigkeiten um Revier oder Futter zu schweren Verletzungen führen! Deshalb wird dringend empfohlen, Zwerghamster nur einzeln zu halten.

Ein Gehege, das zum Buddeln einlädt

Zwerghamster benötigen ein Gehege, das ihren natürlichen Verhaltensweisen, wie Erkunden und Buddeln entgegenkommt. Wenn du ein solches Gehege planst, ist es wichtig, bei der Größe die Einrichtung und Strukturierung zu berücksichtigen.

Wenn du ein Gehege mit mehreren Ebenen anlegst, kannst du die Unterkunft für deinen Zwerghamster „interessanter“ gestalten. Am besten planst du die Einrichtung, bevor der Zwerghamster bei dir einzieht. So kannst du besser abschätzen, wie groß das Gehege sein muss, wenn du alle Elemente und Gegenstände für die Einrichtung berücksichtigst.

Was ist ein „Nagarium“?

Weil Hamster in der Natur in unterirdischen Systemen mit Tunneln leben, verbringen sie einen großen Teil ihrer aktiven Zeit unter der Oberfläche. Hamster benötigen jederzeit die Möglichkeit zum Graben, das bedeutet, im Gehege brauchen sie eine hohe Schicht mit Einstreu, um ihre Gänge anzulegen. Ein Gehege besteht oft aus einer Kunststoff- oder Holzwanne mit Gitteraufsatz. Achte hier darauf, dass die Wanne tief genug ist, um ausreichend Einstreu einzufüllen.

Ein „Nagarium“ ist eine Art Terrarium mit Seitenwänden aus Glas oder Plexiglas und fein vergitterter Deckelfläche. Der Vorteil: Du kannst die Einstreu, die dein Tier für das Anlegen von Gängen benötigt, wesentlich höher einbringen. Optimal ist, wenn das Nagarium zusätzlich über einen Aufsatz oder ähnliches verfügt, um weitere Ebenen anzulegen.

Ausstattung des Geheges

Zur Grundausstattung gehören:

  • ein Häuschen mit mindestens drei Kammern: eine Kammer zum Schlafen, eine für Futtervorrat und eine als Toilette. Alternativ kannst du mehrere Häuschen aufstellen. Ein abnehmbares Dach hilft dabei, die Häuschen regelmäßig zu kontrollieren, sodass sich zum Beispiel kein verdorbenes Futter ansammelt.
  • mehrere Möglichkeiten zum Verstecken: Zusätzliche Unterschlupfe aus Wurzeln, Holztunneln, Korkröhren oder Tontöpfchen sollten in keinem Gehege fehlen.
  • unterschiedliches Einstreumaterial: Als Einstreu verwendet du staubarmes und saugfähiges Naturmaterial wie Flachs oder Hanfstreu, Kokosfasern oder anderes faserreiches Pflanzenmaterial, auch unbehandelte Holzspäne ist geeignet. Vermische die Einstreu mit Stroh – so fallen die Tunnel beim Graben nicht zusammen! Auch trockene Blätter und Rindenstückchen, die im Zoofachhandel in guter Qualität erhältlich sind, sind geeignet.
  • ein Sandbad für die Fellpflege: Stelle dafür eine Schale mit Chinchillasand bereit. Warum Chinchillasand? Vogelsand kann im Gegensatz zu Chinchillasand scharfkantige Bestandteile wie Muschelgrit, also zerkleinerte Muschelschalen, enthalten und ist daher ungeeignet! Nutzt dein Hamster das Sandbad auch als Toilette, solltest du es täglich reinigen.
  • ein Laufrad: Das Laufrad hat die passende Größe, wenn sich der Hamster darin mit geradem, nicht gekrümmten Rücken bewegen kann. Achte auf eine geschlossene Lauffläche (keine Sprossen oder Querstreben!), damit das Tier nicht hängen bleibt oder sich verletzt.
  • mehrere miteinander verbundene Etagen sind sinnvoll: So kannst du die Höhe des Geheges ausnutzen und schaffst mehr freie Fläche zum Laufen und Erkunden für deinen Nager. Auf den festen Ebenen solltest du schwere Gegenstände wie Häuschen oder Sandbad unterbringen. Auf diese Weise können sie nicht untertunnelt werden und umkippen. Das ist wichtig, damit der Hamster sich nicht verletzen kann oder schwere Gegenstände auf ihn drauffallen. Alternativ können auch Gegenstände auf erhöhten Ebenen oder mit Stelzen aufgestellt werden.

Wichtig: Zwerghamster können klettern, sind aber im Gegensatz zu Ratten nicht besonders geschickt dabei. Achte bei der Gestaltung des Geheges darauf, dass es keine gefährlichen „Absturzstellen“ gibt.

Tipp: Für deinen Zwerghamster bleibt das Gehege besonders spannend, wenn du die Einrichtung ab und zu veränderst – das schafft Abwechslung und regt seine Neugier an.

Noch mehr Tipps für die Beschäftigung deiner Kleinsäuger, die ihr Wohlbefinden und ihre Gesundheit artgerecht fördern, findest du hier: Hamster, Kaninchen und Co. artgerecht beschäftigen

Achtung, tierschutzwidriges Zubehör!

Besonders in internationalen Onlineshops wird teilweise Zubehör angeboten, das bei uns nicht erlaubt und tierschutzwidrig ist. Dazu gehören auch Hamsterkugeln, aus denen sich die Tiere nicht selbst befreien können. Sie schränken die Bewegung der Tiere stark ein und können beim Aufprall auf ein Hindernis zu Verletzungen führen. Darauf weist der ZZF – Zentralverband der Heimtierbranche ausdrücklich hin.

Gefährlich für Hamster können auch Systeme aus Kunststoffröhren sein: Die bunten Röhren sind oft schlecht belüftet, schwer zu reinigen und durch angenagte Plastikteile besteht ein Risiko für Verletzungen. Höhlensysteme aus Ton oder Sisal sind besser geeignet.

Reinigung des Geheges

Bei der Reinigung des Geheges gilt: weniger ist oft mehr. Da Hamster sich stark über Gerüche orientieren, sollten vertraute Bereiche möglichst erhalten bleiben. Statt das komplette Gehege regelmäßig auszuräumen, genügt es meist, verschmutzte Stellen gezielt zu reinigen.

Im Sandbad und an den „Toilettenplätzen“ sollten Urin- und Kotreste oder auch verunreinigte Einstreu täglich entfernt werden. Sollte diese Reinigung nicht ausreichen, weil sich Urin und Kot an unzugänglichen Stellen abgesammelt haben, ist eine „Großreinigung“ notwendig.

Achte darauf, dass du immer einen kleinen Rest der gebrauchten, aber sauberen Einstreu wieder verwendest, damit der vertraute Geruch erhalten bleibt und sich dein Nager gleich wieder wohlfühlt.

Unabhängig davon sollte der Sand im Sandbad einmal pro Woche ausgetauscht werden, sonst entsteht ein stechender, unangenehmer Geruch.

Standort des Geheges

Wer seinen Zwerghamster beobachtet, merkt schnell: Sicherheit ist für ihn wichtiger als Aussicht. In freier Natur verlässt er seinen Bau nur vorsichtig und hält sich möglichst gut geschützt auf. Ähnlich sollte auch sein Zuhause platziert werden. Ein Tisch mitten im Zimmer unter einer Deckenlampe ist eine schlechte Wahl. Ein ruhiger Standort ohne ständige Unruhe hilft ihm, seine Umgebung entspannt zu erkunden. Das Gehege kann sich bei warmen Temperaturen überraschend schnell aufheizen. Ein Platz, auf den die Sonne direkt einstrahlt, ist daher tabu, ebenso wie ein Standort mit Zugluft.

Noch ein praktischer Tipp: Zwerghamster sind nachts erstaunlich aktiv. Sie flitzen durch ihre Tunnel, legen Futtervorräte an oder drehen eine Runde im Laufrad. Wer einen leichten Schlaf hat, bei dem sind die Nager im Wohn- oder Arbeitszimmer besser untergebracht als direkt neben dem Bett.

Was frisst ein Zwerghamster?

Hamster sind überwiegend granivor, ernähren sich aber auch von Pflanzen und Insekten. Granivor leitet sich von den lateinischen Wörtern granum (Korn) und vom Verb vorare (fressen) ab, bedeutet also samenfressend oder körnerfressend.

Zwerghamster ernähren sich abwechslungsreich, neben Körnern und Kräutern sollte hin und wieder tierisches Protein auf dem Speiseplan stehen. Alles nur in kleinen Mengen! Schon ein bis zwei Teelöffel können bei ihrem geringen Gewicht eine Tagesration sein.

Eine ausgewogene Ernährung besteht aus:

  • hochwertigen Saaten und Körnern
  • Kräutern und Blüten (getrocknet oder frisch)
  • geeignetem Gemüse
  • gelegentlich tierisches Protein

Mehr zur Ernährung von Hamstern erfährst du hier: Hamster sind keine Vegetarier

Ein leerer Futternapf bedeutet nicht unbedingt, dass dein Nager schon alles gefressen hat: Hamster „hamstern“ nämlich.

„Hamstern“ ist Programm

Ein Verhalten der Kleinsäuger ist so typisch, dass es fest in der deutschen Sprache verankert ist. Die Rede ist natürlich vom „Hamstern“: Die Hamster stopfen sich ihre Backentaschen mit Nahrung voll und verstecken die essbaren Vorräte in ihren Gängen oder im Häuschen.

Vor der nächsten Fütterung wirfst du am besten einen vorsichtigen Blick auf die angelegten Vorräte. Kontrolliere das gesammelte Futter und entferne eventuell verdorbene Bestandteile, aber nicht den ganzen Vorrat. Denk auch daran, den Einstieg ins Hamsterheim groß genug zu gestalten, sodass dein Hamster mit vollen Backen nicht stecken bleiben kann!

Die Backentaschen sind nicht einfach „dicke Backen“. Es handelt sich um Ausstülpungen der Mundhöhle mit einer festen, borstenbesetzten Schleimhaut. Hamster transportieren darin große Mengen an Futter oder auch Nistmaterial. Zum Entleeren streicht der Hamster mit den Vorderpfoten von hinten nach vorn über die Backentaschen. Sie reichen meist von der Maulhöhle bis zum Schulterbereich, beim Roborowski-Zwerghamster fast bis zu den Hinterbeinen.

Nager müssen nagen!

Hamster kommen zahnlos auf die Welt und nach etwa einem Monat sind alle Zähne durchgebrochen. Das Besondere an ihrem Gebiss: Im Ober- und Unterkiefer haben Hamster, genau wie Mäuse und Ratten, jeweils zwei Schneidezähne, die lebenslang nachwachsen. Die Schneidezähne eines Goldhamsters zum Beispiel wachsen im Durchschnitt 0,8 Millimeter in der Woche.

Stimmt die Ernährung, können Hamster ihre Zähne durch ordentliche „Kauarbeit“ auf ganz natürliche Weise abnutzen. Ist das Futter jedoch zu weich, sorgt dies nicht für den gewünschten Zahnabrieb durch Kauen.

Für die Zahnpflege kannst du unbehandelte Äste von Obst- oder Nussbäumen anbieten. Harzende Hölzer, zum Beispiel Tannenzweige, dürfen aber aufgrund der ätherischen Öle und des klebenden Harzes nicht ins Gehege. Geeignete Knabberhölzer unterstützen den Abrieb der Nagezähne und den natürlichen Nagetrieb.

Faszinierende Beobachtungstiere

Wer einen Zwerghamster hält, wird schnell feststellen: Die Tiere möchten nicht ständig beschäftigt werden, beschäftigen sich aber hervorragend selbst.

Gerade das macht ihren Reiz aus. Ob beim Tunnelbau, beim Futtertransport oder bei nächtlichen Erkundungstouren – es gibt immer etwas zu entdecken. Zwerghamster eignen sich deshalb besonders für Menschen, die Freude daran haben, tierisches Verhalten zu beobachten und die Bedürfnisse ihrer kleinen Mitbewohner zu respektieren.

Schon gewusst?

  • Zwerghamster hinterlassen unsichtbare „Wegweiser“: Duftdrüsen am Bauch und an den Mundwinkeln sondern Botenstoffe ab, um unter anderem das Revier zu markieren. Die Duftdrüse am Bauch wird manchmal mit dem Bauchnabel verwechselt. Eine starke Kruste, Schwellung oder Entzündung sollte jedoch tierärztlich untersucht werden.
  • Mit „Torpor“ wird der kurzzeitige Energie- und Ruhezustand der Hamster bezeichnet. In diesem „Energiesparmodus“ fahren die Tiere ihren Stoffwechsel und ihre Körpertemperatur herunter, um sich an Umweltbedingungen wie Kälte, Trockenheit oder Nahrungsmangel anzupassen. Ein Torpor ist aber keine Art von Winterschlaf und dauert in der Regel nur wenige Minuten bis mehrere Stunden.
  • Bei der Verdauung haben Hamster eine spezielle Strategie: Sie nehmen in bestimmten Intervallen den sogenannten „Blinddarmkot“ auf („Caecotrophe“), um Nährstoffe besser zu verwerten und sie nochmal zu verdauen.
  • Der Dsungarische Zwerghamster kann seine Farbe wechseln. Sein im Sommer gräuliches Fell kann sich im Winter nahezu weiß färben, dennoch bleibt der unverkennbare Aalstrich – ein dünner, schwarzbrauner Fellstreifen von Kopf über den Rücken bis zum Schwanz erhalten. Diese Besonderheit unterscheidet ihn von anderen Kurzschwanz-Arten wie Campbell- und Roborowski-Zwerghamster.